Am vergangenen Sonntag war das preisgekrönte, junge Bläserensemble fokus in der Klosterkirche Paradies zu Gast. Es spielte wenig bekannte, grösstenteils französische Musik für Bläserquintett aus der Romantik, des Impressionismus und der Moderne von Paul Taffanel, Claude Debussy und György Ligeti. Die vier jungen Musikerinnen (Sarah-Maria Schmid, Querflöte, Adèle Bagein, Oboe, Daniela Engel, Klarinette, Pauline Zahno, Horn) und der Musiker Alexander Rauch, Fagott, stammen aus der Schweiz, Nordfrankreich und Deutschland und sind ein fantastisch aufeinander eingespieltes Team, das keine Wünsche offenlässt. Der Karlsruher Alexander Rauch erläuterte die einzelnen Werke auf sympathische, humorvolle Weise.
Wenn Nebensachen zur Hauptsache werden
Die sechs Bagatellen (Kleinigkeiten) schrieb György Ligeti in den 1950er-Jahren im Alter von knapp 30 Jahren. Die kurzen Sätze sind, in Anlehnung an Ligetis elf kleine Klavierstücke, stilistisch eher noch konventionell, einer davon lehnt sich «In Memoriam Béla Bartók» deutlich an die volkstümlich inspirierte, ungarische Musik Bartóks an. Eine bunte Mischung von musikalisch wirbelnden Herbstblättern zeigte das hohe Können und die Virtuosität der fünf Bläserstimmen, welche die Musik leichtfüssig und abwechslungsreich in perfekter Präzision darboten. Witzig setzte auch die hohe Piccoloflöte musikalische Glanzpunkte, das Horn, zuweilen mit Dämpfer gespielt, verband die Instrumente mit weichem Klang. Gesangliche Solopassagen für jedes der Instrumente wurden spielfreudig hingetupft untermalt, ein rhythmisch lebhafter Schluss krönte die unterhaltsame Folge der sechs leichtgewichtigen Musikstückchen.
Wer kennt schon den französischen, spätromantischen Komponisten Paul Taffanel (1844-1908), ausser die Studierenden seiner Bläseretüden? Sein ausdrucksvolles und schwärmerisches Bläserquintett in drei Sätzen – das umfangreichste in der gesamten Musikliteratur – beschwor eine andere Welt im Kontrast zu den gehörten, leichtfüssigen Bagatellen. Klangschön, mit opernhafter Dramatik, uferloser Melodik der grossangelegten Form und mit Facettenreichtum bot das Werk eine vielfältige Motivik, von spielerischer Leichtigkeit bis zu schwelgerischer, orchestraler Klangdichte. Das Ensemble gestaltete es emotional berührend und mit lebendiger Dynamik in vollendetem Zusammenspiel.
Stimmungsvoller Impressionismus
Vom Meister des französischen Impressionismus, Claude Debussy (1862-1928), erklang die für Bläserquintett arrangierte Version des Klavier- bzw. Orchesterwerks «Petite Suite» in vier Sätzen. Als eines seiner Frühwerke noch der Spätromantik verhaftet, ist der erste Satz «Im Boot» ein Stimmungsbild geschmeidig fliessender Wellen, der zweite Satz «Cortège» ein lieblich fortlaufendes Stück; der dritte, als «Menuett» bezeichnete, gemächliche Schreittanz evozierte Anklänge an den historischen höfischen Tanz – und der vierte, letzte Satz bildete als lebhafter, sich zunehmend beschleunigender Walzer den fulminanten Abschluss des Zyklus. Das Bläserensemble trug auch diese Musik in gemeinsamer Perfektion, abwechslungsreich und in den schönsten Farben vor.
Gisela Zweifel – Bote vom Untersee und Rhein, 25. September 2026
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